Digitale Betriebsanleitungen: Die neue Ära der Produktdokumentation – Regeln & Praxis für Hersteller

Wie die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 und die GPSR digitale Betriebsanleitungen zum Standard machen – und was Hersteller ab dem 20.01.2027 beachten müssen

Ingenieurin ruft digitale Betriebsanleitung einer Maschine per Tablet und QR-Code auf

FAQ – Ihre Fragen zu digitalen Betriebsanleitungen

Hochrisiko-Maschinen sind Produkte mit einem erhöhten Gefahrenpotenzial.

Ab dem 20. Januar 2027 wird die digitale Bereitstellung nach der EU-Maschinenverordnung verpflichtend, sofern alle Anforderungen erfüllt sind. Hersteller können die Bestimmungen jedoch bereits heute anwenden, wenn sie diese vollständig erfüllen.

Hochrisiko-Maschinen sind Produkte mit einem erhöhten Gefahrenpotenzial.

Die Allgemeine Produktsicherheitsverordnung (GPSR) erweitert ab Dezember 2024 die Anforderungen an die Produktsicherheit auf digitale und vernetzte Produkte, inklusive des Schutzes vor Cyberrisiken und der Verpflichtung zu klaren digitalen Sicherheitshinweisen.

Hochrisiko-Maschinen sind Produkte mit einem erhöhten Gefahrenpotenzial.

Nicht-professionelle Nutzer (Endverbraucher) haben das Recht, eine kostenlose Papierversion innerhalb eines Monats nach Anfrage zu erhalten. Auch für Käufer allgemein gilt dieses Recht.

Hochrisiko-Maschinen sind Produkte mit einem erhöhten Gefahrenpotenzial.

Hersteller müssen eine robuste digitale Infrastruktur, Content Delivery Portale und eine klare Strategie für URL-Stabilität und Versionsverwaltung implementieren, um die Verfügbarkeit über mindestens 10 Jahre zu gewährleisten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 und die GPSR etablieren digitale Betriebsanleitungen als Standard.
  • Digitale Anleitungen müssen ab 2027 leicht zugänglich, herunterladbar und mindestens 10 Jahre verfügbar sein.
  • Das Recht auf eine kostenlose Papierversion für Endverbraucher bleibt in bestimmten Fällen bestehen.
  • Hersteller profitieren von Effizienzsteigerungen und verbesserter Nutzererfahrung, stehen aber vor technischen Herausforderungen bei der Langzeitverfügbarkeit.
  • Proaktives Handeln ist essenziell für die Compliance Betriebsanleitungen.

Die Ära der Papierdokumentation neigt sich dem Ende zu. Mit der neuen EU-Maschinenverordnung 2023/1230 und der Allgemeinen Produktsicherheitsverordnung (GPSR) wird die digitale Bereitstellung von Betriebsanleitungen zum Standard. Dieser Blogbeitrag beleuchtet die neuen gesetzlichen Anforderungen, die Vorteile der Digitalisierung und die Herausforderungen, die Hersteller meistern müssen, um compliant zu bleiben und von den Chancen der digitalen Betriebsanleitung zu profitieren.

Die neue Rechtsgrundlage: Maschinenverordnung & GPSR

EU-Maschinenverordnung 2023/1230: Der Weg zur digitalen Anleitung

Die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 markiert einen Wendepunkt in der technischen Dokumentation. Die Verordnung ist ab dem 20. Januar 2027 verbindlich. Hersteller dürfen die Bestimmungen jedoch bereits heute anwenden, sofern sie alle Anforderungen erfüllen. Die Verordnung schafft die rechtliche Grundlage für den Übergang von Papier- zu effizienten Digitalformaten. Sie fördert Effizienz und Nachhaltigkeit in der Produktion und modernisiert die Erstellung, Verbreitung sowie Nutzung von Anleitungen.

Allgemeine Produktsicherheitsverordnung (GPSR) 2023/988: Sicherheit im digitalen Zeitalter

Ergänzend zur Maschinenverordnung tritt die Allgemeine Produktsicherheitsverordnung (GPSR) 2023/988 ab dem 13. Dezember 2024 in Kraft. Die Produktsicherheitsverordnung GPSR erweitert die Anforderungen an die Produktsicherheit auf digitale und vernetzte Produkte. Dies umfasst den Schutz vor Cyberrisiken und fordert die Bereitstellung klarer, umfassender digitaler Sicherheitshinweise. Hersteller müssen daher sowohl die physische Sicherheit ihrer Produkte als auch deren digitale Integrität und Informationssicherheit gewährleisten.

Anforderungen an digitale Betriebsanleitungen:
Was Hersteller beachten müssen

📱 Zugänglichkeit und Verfügbarkeit: Immer und überall

Digitale Anleitungen müssen leicht zugänglich, herunterladbar, druckbar und auf elektronischen Geräten speicherbar sein. Hersteller müssen Anleitungen jederzeit verfügbar halten, auch bei Maschinen- oder Internetausfall, etwa durch das Angebot von Download-Optionen. Bewährt hat sich die Verlinkung mittels QR-Code auf dem Produkt oder der Verpackung, die direkt zur Anleitung führt. Lösungen wie das E-LabelSystem bieten hierfür eine effektive Infrastruktur.

⏰ Langzeitverfügbarkeit: Eine Verpflichtung für Jahrzehnte

Eine zentrale gesetzliche Vorschrift fordert, dass Anleitungen für die gesamte Lebensdauer der Maschine, mindestens aber zehn Jahre nach dem Inverkehrbringen, online abrufbar bleiben. Dies stellt hohe Anforderungen an die digitale Infrastruktur und macht robuste Content Delivery Portale sowie Strategien für stabile URLs notwendig. Eine präzise Versionierung der Betriebsanleitung ist zudem zwingend, um die rechtliche Konformität und Compliance zu sichern.

📄 Das Recht auf Papier: Ausnahmen und wichtige Regelungen

Trotz des Vorstoßes zur Digitalisierung bleibt das Recht auf eine Papierversion in bestimmten Fällen bestehen. Hersteller müssen nicht-professionellen Nutzern (Endverbrauchern) sowie Käufern auf Anfrage innerhalb eines Monats eine kostenlose Papierversion der Betriebsanleitung bereitstellen. Um die Produkthaftung zu minimieren und den Verbraucherschutz umfassend zu gewährleisten, müssen wesentliche Sicherheitsinformationen für Verbraucherprodukte generell in Papierform bereitgestellt werden. Hierbei können spezialisierte Druckdienstleister wie WeserPrint unterstützen.

Betreiberpflichten nach BetrSichV – Gefährdungsbeurteilung und Maschinensicherheit

Digitale Betriebsanleitungen: Zugriff über QR-Code direkt am Produkt

Die Vorteile digitaler Betriebsanleitungen:
Mehr als nur Papiereinsparung

⚡ Effizienz und Aktualität

Die Digitalisierung der technischen Dokumentation steigert die Effizienz enorm. Produktänderungen oder neue Normen erfordern oft Anpassungen der Anleitungen. Digitale Formate ermöglichen eine einfachere und schnellere Aktualisierbarkeit. Dies reduziert nicht nur den administrativen Aufwand, sondern auch Kosten für Druck, Lagerung und Logistik von Papierdokumenten erheblich.

🌱 Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit

Der Verzicht auf Papieranleitungen trägt maßgeblich zur Ressourcenschonung und zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen bei. Die Reduktion des ökologischen Fußabdrucks durch weniger Papierverbrauch, Druckfarben und Transport ist ein klarer Vorteil der digitalen Strategie.

🎯 Verbesserte Nutzererfahrung und Interaktivität

Digitale Anleitungen können interaktive und multimediale Inhalte wie Videos, 3D-Modelle oder Animationen integrieren. Dies verbessert die Benutzerfreundlichkeit, das Lernerlebnis und die Effizienz bei der Fehlerbehebung erheblich. Zudem ermöglichen digitale Anleitungen die Personalisierung von Inhalten basierend auf Nutzerprofilen oder spezifischen Produktkonfigurationen.

Herausforderungen und strittige Punkte

⚖️ Die Gratwanderung zwischen Digitalisierung und Verbraucherschutz

Die vollständige Ablösung der Papierdokumentation ist trotz der fortschreitenden Digitalisierung nicht immer möglich oder sinnvoll. Das Fortbestehen wesentlicher Sicherheitsinformationen in Papierform für Verbraucher sowie das Recht auf eine Papierversion in bestimmten Fällen verdeutlichen die Notwendigkeit einer ausgewogenen Strategie. Die Produktsicherheitsverordnung GPSR betont dies ebenfalls.

🔧 Technische und organisatorische Hürden für Hersteller

Die Sicherstellung der Langzeitverfügbarkeit über mindestens 10 Jahre oder die gesamte Produktlebensdauer stellt angesichts schnell entwickelnder Technologien und möglicher Domainwechsel eine komplexe Aufgabe dar. Hersteller müssen eine robuste digitale Infrastruktur für Elektronische Gebrauchsanleitungen und effiziente Content Delivery Portale aufbauen und pflegen. Dies erfordert oft erhebliche Investitionen und Anpassungen interner Prozesse für die digitale technische Dokumentation.

🌐 Sicherstellung des universellen Zugangs

Die Gewährleistung des Zugangs für alle Nutzer, insbesondere in Regionen mit eingeschränkter Internetverbindung oder für Personen mit geringerer digitaler Kompetenz, ist weiterhin eine kritische Herausforderung. Hersteller müssen die Bereitstellung im Notfall (z.B. bei Maschinen- oder Netzausfall) durch Offline-Zugänglichkeit oder andere Mechanismen gewährleisten, um Sicherheit und Funktionalität jederzeit zu sichern.

Infografik zu Maschinenverordnung 2023/1230 und GPSR mit Pflichten für digitale Betriebsanleitungen

Digitale Infrastruktur: Langzeitverfügbarkeit als zentrale Herausforderung

Quellen & Rechtsgrundlagen

Verordnung (EU) 2023/1230

Der offizielle Rechtstext der neuen EU-Maschinenverordnung

EUR-Lex  

Verordnung (EU) 2023/988

Allgemeine Produktsicherheitsverordnung (GPSR)

EUR-Lex  

Europäische Kommission – Maschinen

Internal Market, Industry, Entrepreneurship and SMEs

europa.eu  

✔ Nächste Schritte für Hersteller

  • Handeln Sie jetzt: Beginnen Sie frühzeitig mit der Analyse Ihrer Prozesse und Infrastrukturen, um die rechtlichen Anforderungen zu erfüllen.
  • Digitale Infrastruktur aufbauen: Content Delivery Portale, stabile URLs und Versionsverwaltung für mindestens 10 Jahre Verfügbarkeit.
  • QR-Code-Lösungen implementieren: Direkter Zugang zur Betriebsanleitung über Produkt oder Verpackung.
  • Prozesse für Papierversionen etablieren: Sicherstellen, dass Endverbraucher innerhalb eines Monats eine kostenlose Papierversion erhalten können.
  • Sichern Sie Ihre Compliance Betriebsanleitungen und gestalten Sie die Zukunft Ihrer Produktdokumentation proaktiv!
Go to Top