Risikomanagement im Maschinenlebenszyklus nach MVO (EU) 2023/1230

Warum eine einmalige Risikobeurteilung nicht reicht und wie ein MVO-konformes Risikomanagement über den gesamten Lebenszyklus von Maschinen aufgebaut wird.

Betreiberpflichten nach BetrSichV – Gefährdungsbeurteilung und Maschinensicherheit

Risikomanagement im Lebenszyklus: Von der Konstruktion bis zur Marktüberwachung

FAQ: Risikomanagement im Lebenszyklus

Hochrisiko-Maschinen sind Produkte mit einem erhöhten Gefahrenpotenzial.

Wenn er eine Maschine so wesentlich verändert, dass sich das Sicherheitsniveau maßgeblich ändert, gilt er als Hersteller. Dann sind eine neue Risikobeurteilung, Konformitätsbewertung und ggf. neue CE-Kennzeichnung erforderlich.

Hochrisiko-Maschinen sind Produkte mit einem erhöhten Gefahrenpotenzial.

Die Risikobeurteilung ist ein projektbezogener Analyseprozess für eine Maschine. Risikomanagement umfasst alle organisatorischen und technischen Maßnahmen, um Risiken über den gesamten Lebenszyklus zu steuern, Änderungen zu bewerten und die Nachweisführung sicherzustellen.

Hochrisiko-Maschinen sind Produkte mit einem erhöhten Gefahrenpotenzial.

Cybersecurity-Maßnahmen wie Zugriffskontrollen, gesicherte Kommunikationswege und Protokollierung sind integrale Bestandteile des Risikomanagements. Die MVO verlangt, dass Manipulation und unerlaubter Zugriff auf sicherheitsrelevante Funktionen verhindert werden.

Hochrisiko-Maschinen sind Produkte mit einem erhöhten Gefahrenpotenzial.

Frühe Anpassung reduziert Projektrisiken zum Stichtag 20.01.2027, vermeidet Doppelentwicklungen und stärkt die Position gegenüber Kunden, Marktüberwachung und Prüforganisationen.

Hochrisiko-Maschinen sind Produkte mit einem erhöhten Gefahrenpotenzial.

Das Risikomanagement sorgt dafür, dass Risikobeurteilung, Konformitätserklärung und Betriebsanleitung vollständig, aktuell und über die geforderte Dauer verfügbar sind – inklusive aller Änderungen und Freigaben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die MVO verschiebt den Fokus von einer einmaligen Prüfung vor Inverkehrbringen hin zu einem kontinuierlichen Lebenszyklusansatz – Risiken müssen über die gesamte Nutzungsdauer betrachtet werden.
  • Risikomanagement wird zur Managementaufgabe: Governance, Rollen, Prozesse und Änderungsmanagement müssen etabliert werden.
  • Trigger für Aktualisierungen der Risikobeurteilung: konstruktive Umbauten, Software-Updates, neue Module, veränderte Einsatzbedingungen, Unfälle oder Marktüberwachungsfälle.
  • Digitale Risiken (Cybersecurity, KI-Funktionen) müssen kontinuierlich beobachtet und durch Patch-Management, Monitoring und Verhaltensüberprüfungen gesteuert werden.
  • Die Technische Dokumentation muss mindestens 10 Jahre verfügbar bleiben – mit zentraler Ablage, Versionierung, Änderungsprotokollen und Manipulationsschutz.

Die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 verschiebt den Fokus von einer einmaligen Prüfung vor Inverkehrbringen hin zu einem kontinuierlichen Lebenszyklusansatz: Risiken müssen nicht nur bei der Konstruktion, sondern über die gesamte Nutzungsdauer betrachtet werden – inklusive Software-Updates, Umbauten und KI-Verhalten. Risikomanagement wird damit zu einer dauerhaft zu steuernden Managementaufgabe.

Warum eine einmalige Risikobeurteilung nicht reicht

  • Maschinen werden vernetzt, ferngewartet und softwareseitig aktualisiert.
  • Funktionen können sich dynamisch verändern (z. B. durch KI-Modelle oder geänderte Steuerungssoftware).
  • Betreiber nehmen Anpassungen vor, die sicherheitsrelevant sein können.

Die MVO verlangt, dass Risiken über den Lebenszyklus überwacht und bei Änderungen neu bewertet werden.

Bausteine eines MVO-konformen Risikomanagementsystems

Governance und Rollen

  • klare Verantwortlichkeiten für Sicherheit (Safety) und Informationssicherheit (Security)
  • definierte Schnittstellen zwischen Entwicklung, IT, Service, Dokumentation und Compliance
  • verbindliche Prozesse für Freigaben, Änderungen und Eskalationen

Prozesse entlang des Lebenszyklus

  • Neuentwicklung: Risikobeurteilung als integraler Bestandteil des Entwicklungsprozesses, nicht als Abschlussdokument.
  • Inverkehrbringen: Übergabe von Risikobeurteilung, Konformitätserklärung und Betriebsanleitung an Kunde und interne Stellen.
  • Betrieb & Wartung: Rückmeldungen aus Feld, Unfälle, Beinaheereignisse, Störungen fließen zurück in das Risikomanagement.
  • Umbauten & Updates: formalisierte Bewertung, ob Maßnahmen eine wesentliche Veränderung darstellen.
Betreiberpflichten nach BetrSichV – Gefährdungsbeurteilung und Maschinensicherheit

Der kontinuierliche Risikomanagement-Kreislauf nach MVO 2023/1230

Trigger für die Aktualisierung der Risikobeurteilung

Typische Auslöser:

  • konstruktive Umbauten an Maschine, Schutzumhausung, Steuerung
  • Integration neuer Module (Roboter, Werkzeuge, Sensorik, Softwarepakete)
  • sicherheitsrelevante Software-Updates oder Konfigurationsänderungen
  • neue Einsatzbedingungen (andere Materialien, andere Umgebung, andere Benutzergruppen)
  • Rückmeldungen aus Unfällen, Beinaheereignissen oder Prüfungen der Marktüberwachung

Je nach Auswirkung ist zu entscheiden, ob eine Ergänzung der Risikobeurteilung genügt oder eine vollständige Neubewertung erforderlich ist.

Integration digitaler Risiken ins Risikomanagement

Digitale Risiken sind nicht nur ein Thema der Erstbewertung, sondern müssen im laufenden Betrieb beobachtet werden.

Cybersecurity

  • Segmentierung von Netzwerken, Härtung von Schnittstellen, Schutz vor unautorisierten Remote-Zugriffen
  • Patch- und Schwachstellenmanagement mit Bewertung, ob und wann Sicherheitsupdates eingespielt werden und welche Auswirkungen das auf die Risikobeurteilung hat
  • Protokollierung sicherheitsrelevanter Ereignisse (Logfiles) und Zugriffsvorgänge

KI-Funktionen

  • Regeln für die Lernphase (z. B. Trainingsdaten, Parameter, Freigabeprozesse)
  • Begrenzung von Autonomie in sicherheitskritischen Funktionen
  • regelmäßige Überprüfung, ob das reale Verhalten dem freigegebenen Risikoprofil entspricht
Betreiberpflichten nach BetrSichV – Gefährdungsbeurteilung und Maschinensicherheit

Digitales Risikomanagement: QR-Code-basierter Zugriff auf aktuelle Dokumentation

Dokumentation, Nachweisführung und Marktüberwachung

Die MVO fordert, dass Technische Dokumentation und EU-Konformitätserklärung mindestens 10 Jahre bereitgehalten werden; bei langlebigen Produkten praktisch oft länger.

Bausteine eines belastbaren Nachweissystems:

  • zentrale, versionsgesicherte Ablage der Risikobeurteilungen
  • Änderungsprotokolle zu Software-Ständen, Parametern, Konfigurationen
  • Freigabedokumente zu Umbauten und Modernisierungen
  • Verknüpfung zur Betriebsanleitung (z. B. über Dokumenten-IDs oder QR-Codes) und Serviceunterlagen

Digitalisierung erleichtert diese Nachweiskette, setzt aber zugleich Schutz gegen Manipulation voraus.

Roadmap für Unternehmen – in vier Schritten

  1. Bestandsaufnahme
    • Welche Produkte sind von der MVO betroffen?
    • Wie werden Risikobeurteilungen aktuell erstellt und gepflegt?
    • Wie steht es um digitale Dokumentation und Änderungsmanagement?
  2. Konzept und Lenkung
    • Definition der Governance (Rollen, Gremien, Verantwortlichkeiten).
    • Abbildung von MVO-Anforderungen in internen Richtlinien und Arbeitsanweisungen.
  3. Implementierung
    • Anpassung der Entwicklungsprozesse (z. B. Integration von Risikobeurteilung in Stage-Gate-Modelle).
    • Einführung oder Erweiterung von Änderungsmanagement, Log-Systemen und Dokumentationsportalen.
  4. Überwachung und Verbesserung
    • regelmäßige Reviews von Risikobeurteilungen und Sicherheitskonzepten
    • Lessons Learned aus Vorkommnissen und Marktüberwachungsfällen
    • laufende Schulungen zu MVO, Cyber- und KI-Risiken

Quellen & Rechtsgrundlagen

Verordnung (EU) 2023/1230

Der offizielle Rechtstext der neuen EU-Maschinenverordnung

EUR-Lex  

Richtlinie 2006/42/EG

Maschinenrichtlinie

EUR-Lex  

Europäische Kommission – Maschinen

Internal Market, Industry, Entrepreneurship and SMEs

europa.eu  

DIN EN ISO 12100:2011 – Sicherheit von Maschinen – Risikobeurteilung und Risikominderung

DIN EN ISO 12100:2011-03

DINMEDIA.de  

✔ Nächste Schritte für B2B-Teams

  • Risikomanagement als kontinuierlichen Prozess etablieren – nicht als einmalige Dokumentenübung vor Inverkehrbringen.
  • Governance aufbauen: Rollen, Verantwortlichkeiten und Schnittstellen zwischen Entwicklung, IT, Service und Compliance definieren.
  • Trigger-Katalog erstellen: Welche Änderungen lösen eine Aktualisierung der Risikobeurteilung aus?
  • Digitale Dokumentation mit Versionierung, Änderungsprotokollen und Manipulationsschutz aufbauen.
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